Wir orientieren uns an den Positionen der Socialist Party of Great Britain, die 1904 gegründet wurde, als möglichst nicht-hierarchische Organisation. Die SPGB setzt sich - wenn auch noch nicht erfolgreich - für den Kommunismus ein, für eine Gesellschaft ohne Staat, Kapital, Nation, Lohnarbeit und Geld.
Donnerstag, 15. Januar 2009
Die Lügen des Krieges
Warum Israel den Krieg nicht gewinnen und die Hamas ihn nicht verlieren kann
Vor fast 70 Jahren wurde während des Zweiten Weltkriegs in Leningrad ein abscheu-liches Verbrechen begangen. Länger als tausend Tage hielt eine Gang von Extremisten, die "Rote Armee" genannt wurde, Millionen von Einwohnern der Stadt als Geiseln und provozierte die deutsche Wehrmacht aus den Bevölkerungszentren heraus. Die Deutschen hatten keine andere Möglichkeit, als die Bevölkerung zu bombardieren und sie einer totalen Blockade auszusetzen, die den Tod von Hunderttausenden verursachte. Nicht lange zuvor wurde in England ein ähnliches Verbrechen begangen. Die Churchillbande versteckte sich inmitten in die Londoner Bevölkerung und missbrauchte Millionen von Bürgern als menschliche Schutzschilde. Die Deutschen waren so gezwungen, ihre Luftwaffe zu schicken und die Stadt widerwillig in Schutt und Asche zu legen.
Dies ist die Beschreibung, die jetzt in den Geschichtsbüchern stünde – wenn die Deutschen den Krieg gewonnen hätten.
Absurd? Nicht absurder als die täglichen Nachrichten unserer Medien, die so oft wiederholt werden, dass einem speiübel wird: Die Hamas-Terroristen halten die Bewohner des Gazastreifen als "Geiseln" und benützen die Frauen und Kinder als "menschliche Schutzschilde", sie lassen uns keine Alternative, als massive Bombardements durchzuführen, in denen zu unserm großen Bedauern Tausende von Frauen, Kinder und unbewaffneten Männer verletzt oder gar getötet werden.
In diesem Krieg – wie in allen modernen Kriegen - spielt die Propaganda eine große Rolle. Das reale Kräfteverhältnis zwischen der israelischen Armee mit ihren Kampf-flugzeugen, Drohnen, Kriegsschiffen, Panzern, ihrer Artillerie einerseits und den paar Tausend leicht bewaffneten Hamaskämpfer ist 1.000:1, wenn nicht sogar 1.000.000:1. Auf der politischen Ebene ist der Unterschied vielleicht sogar noch größer. Aber im Propagandakrieg ist der Unterschied grenzenlos.
Fast alle westlichen Medien wiederholten anfangs die offizielle israelische Propagan-dalinie. Sie ignorierten fast völlig die palästinensische Seite der Geschichte, ebenso wie die täglichen Demonstrationen des israelischen Friedenslagers. Die Gründe der israelischen Regierung ("Der Staat muss seine Bürger gegen die Kassam-Raketen schützen") wurde wie die reine Wahrheit akzeptiert. Der Blickwinkel von der anderen Seite, dass die Kassams nämlich nur eine Antwort auf die Belagerung seien, die anderthalb Millionen Menschen im Gazastreifen an die Grenze des Verhungerns bringt, wurde überhaupt nicht erwähnt.
Erst als die schrecklichen Szenen aus dem Gazastreifen auf den westlichen Bildschirmen zu erscheinen begannen, fing die öffentliche Meinung der Welt langsam an sich zu verändern.
Die westlichen und israelischen Fernsehkanäle zeigten zwar nur einen winzigen Teil des entsetzlichen Geschehens, das jeden Tag 24 Stunden lang auf dem arabischen Sender Al-Dschasira zu sehen ist, aber ein Bild eines toten Babys in den Armen seines in Angst und Schrecken versetzten Vaters ist mächtiger als Tausend elegant formulierte Sätze des israelischen Armeesprechers. Und das ist letztendlich entscheidend.
Der Krieg – jeder Krieg – ist ein Lügenreich. Ob dies nun Propaganda oder psycho-logische Kriegsführung genannt wird, jeder akzeptiert, dass es richtig ist, für sein Land zu lügen. Jeder, der die Wahrheit sagt, riskiert, als Verräter gebrandmarkt zu werden.
Das Problem ist, dass Propaganda zuerst und vor allem den Propagandisten selbst überzeugt. Und nachdem man sich selbst davon überzeugt hat, dass die Lüge die Wahrheit und die Verfälschung die Realität ist, kann man keine vernünftigen Ent-scheidungen mehr treffen.
Ein Beispiel für diesen Prozess lieferte die bis jetzt erschreckendste Gräueltat dieses Krieges: das Beschießen der UN-Fakhura-Schule im Jabaliya-Flüchtlingslager.
Kurz nachdem dieser Vorfall weltweit bekannt wurde, "enthüllte" die Armee, dass Hamaskämpfer von einem Vorplatz der Schule aus Mörsergranaten abgeschossen hätten. Als Beweis veröffentlichte man eine Luftaufnahme, auf der tatsächlich die Schule und der Mörser zu sehen waren. Aber innerhalb kurzer Zeit musste der offizielle Armeelügner zugeben, dass das Photo älter als ein Jahr sei. Also eine Fäl-schung.
Später behauptete der offizielle Lügner, dass "unsere Soldaten aus dem Inneren der Schule" beschossen worden seien. Aber kaum einen Tag danach musste die Armee dem UN-Personal gegenüber zugeben, dass auch dies eine Lüge gewesen war. Keiner hatte aus der Schule geschossen, keine Hamaskämpfer waren in der Schule, die voll verängstigter Flüchtlinge war.
Aber das Eingeständnis wurde kaum mehr wahrgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war die israelische Öffentlichkeit vollkommen davon überzeugt, dass "aus der Schule geschossen worden war" - und Fernsehsprecher zitierten dies als einfache Tatsache.
Genau so ging es mit den anderen Gräueltaten. Jedes Baby wurde im Augenblick seines Todes zu einem Hamas-Terroristen. Jede zerbombte Moschee wurde sofort zu einer Hamasbasis; jedes Wohngebäude zu einem Waffenversteck; jede Schule zu einem Terrorkommandoposten; jedes zivile Regierungsgebäude zu einem "Herrschaftssymbol der Hamas". Auf diese Weise blieb die israelische Armee die "moralischste Armee der Welt".
Die Wahrheit ist, dass die Gräueltaten eine direkte Folge des Kriegsplanes waren
Dies wirft ein Licht auf die Persönlichkeit Ehud Baraks – eines Mannes, dessen Denk- und Handlungsweisen ein klarer Beweis für das ist, was "moralischer Irrsinn" genannt wird.
Das wirkliche Ziel - abgesehen davon, mehr Sitze bei den kommenden Wahlen zu gewinnen - ist die Beendigung der Hamasherrschaft im Gazastreifen. In der Vorstellung der Kriegsplaner, sieht die Hamas wie ein Eindringling aus, der fremdes Land kontrolliert. Die Wirklichkeit sieht natürlich ganz anders aus.
Die Hamasbewegung hat bei den ausgesprochen demokratischen Wahlen, die 2006 in der Westbank, in Ostjerusalem und im Gazastreifen stattgefunden haben, die Mehrheit der Stimmen gewonnen. Sie gewann, weil die Palästinenser zur Schlussfolgerung gekommen waren, dass die Fatah durch ihre friedliche, also gewaltfreie Herangehensweise nichts von Israel erreicht hat – weder den Stopp des Siedlungsbaus noch irgendeinen bedeutsamen Schritt in Richtung eines Endes der Besatzung oder der Schaffung des palästinensischen Staates. Die Hamas ist tief in der Bevölkerung verwurzelt – nicht nur als Widerstandsbewegung, die den fremden Besatzer bekämpft so wie einst die (jüdische) Irgun und die Sterngruppe –, sondern auch als eine politische und religiöse Organisation, die im sozialen, schulischen und medizini-schen Bereich aktiv ist.
Vom Standpunkt der Bevölkerung sind die Hamaskämpfer keine Fremdkörper, sondern die Söhne einer jeden Familie im Gazastreifen wie auch in den anderen palästi-nensischen Gebieten. Sie verstecken sich nicht "inmitten der Bevölkerung", die Bevölkerung sieht sie als ihre einzigen Verteidiger an.
Deshalb gründet sich die ganze Operation auf irrigen Vermutungen. Das Leben der Bevölkerung in eine Hölle zu verwandeln, wird die Bevölkerung nicht dahin bringen, sich gegen die Hamas zu erheben, sondern das Gegenteil erreichen, sie vereinigt sich hinter der Hamas und verstärkt ihre Entscheidung, sich nicht zu ergeben. Die Bewohner von Leningrad haben sich nicht gegen Stalin erhoben, so wenig wie die von London gegen Churchill.
Derjenige, der den Befehl für solch einen Krieg mit solchen Methoden in einem dicht bevölkerten Gebiet gegeben hat, weiß, dass dieser ein entsetzliches Gemetzel unter der Zivilbevölkerung anrichten wird. Anscheinend hat ihm dies nichts ausgemacht. Oder er glaubt, "dies wird ihr Verhalten verändern" und " es wird ihr Bewusstsein verändern", so dass sie zukünftig Israel nicht mehr zu widerstehen wagen würden.
Die Hauptsache für die Kriegsplaner war, die Todesrate unter den eigenen Soldaten so gering wie möglich zu halten, da sie wussten, dass die Stimmung eines großen Teils der Pro-Krieg-Öffentlichkeit sich ändern würde, sobald Berichte über eigene Todesopfern kommen würden. So war es beim ersten und zweiten Libanonkrieg.
Diese Einstellung spielte eine besonders wichtige Rolle, weil der ganze Krieg ein Teil der Wahlkampagne ist. Ehud Barak, der in den ersten Tagen des Krieges in den Umfragen gewonnen hatte, wusste, dass seine Werte fallen würden, sobald Bilder mit toten Soldaten die Fernsehschirme füllen würden.
Deshalb wurde eine neue Doktrin formuliert: um Verluste unter unseren Soldaten zu vermeiden, solle alles, was in ihrem Weg steht, total zerstört werden. Die Planer waren also nicht nur bereit, 80 Palästinenser zu töten, um einen israelischen Soldaten zu retten, wie es schon geschehen ist, sondern auch 800. Die Vermeidung von To-desfällen auf unserer Seite ist der vordringlichste Befehl, der Rekordzahlen von zivi-len Toten auf der andern Seite verursachte.
Dies bedeutete die bewusste Entscheidung für eine besonders grausame Kriegsfüh-rung – und das war ihre Achillesferse.
Eine Person ohne Fantasie wie Barak (sein Wahlslogan heißt: "Nicht ein netter Kerl, sondern ein Führer") kann sich nicht vorstellen, wie anständige Leute rund um den Globus auf solche Aktionen wie die Tötung ganzer Großfamilien, die Zerstörung der Häuser über den Köpfen ihrer Bewohner, auf die Reihen von Jungen und Mädchen in Leichensäcken, auf die Berichte über Leute, die tagelang zu Tode bluten, weil die Krankenwagen nicht zu ihnen durchgelassen werden, auf das Töten von Ärzten und Sanitätern, die auf dem Weg sind, Leben zu retten, auf Berichte über das Erschießen von UN-Fahrern, die Lebensmittel bringen, reagieren. Die Fotos aus den Kranken-häusern mit den Toten, Sterbenden und Verletzten, die aus Platzmangel alle zu-sammen auf dem Fußboden liegen, haben die Welt erschüttert. Kein Argument hat die Kraft eines Bildes von einem verwundeten kleinen Mädchen, das dort auf dem Boden liegt, sich vor Schmerzen krümmt und "Mama! Mama"! schreit.
Die Kriegsplaner dachten, sie könnten die Welt daran hindern, solche Bilder zu sehen, wenn sie die Presse gewaltsam davon abhalten, zum Schauplatz der Kämpfe zu gelangen. Die israelischen Journalisten waren zu ihrer Schande damit einverstanden, die Berichte und Photos zu bringen, die sie vom Armeesprecher erhielten, als ob dies authentische Nachrichten seien, während sie selbst meilenweit von den Ereignissen entfernt blieben. Ausländische Journalisten wurden gar nicht erst zugelassen, bis sie protestierten und dann zu kurzen ausgewählten und überwachten Trips mitgenom-men wurden. Aber in einem modernen Krieg kann eine solch sterile und fabrizierte Sicht alle anderen Perspektiven nicht vollständig ausschließen. Die Kameras sind im Gazastreifen mitten in der Hölle und können nicht kontrolliert werden. Der arabische Sender Al-Dschasira bringt die Bilder rund um die Uhr und erreicht jedes Haus.
Die Schlacht um den Fernsehschirm ist eine der entscheidenden Schlachten des Krieges.
Hunderte Millionen Araber von Mauretanien bis zum Irak, mehr als eine Milliarde Muslime von Nigeria bis Indonesien sehen diese Bilder und sind geschockt. Dies hat eine große Auswirkung auf den Krieg. Viele der Fernsehzuschauer sehen die Herrscher Ägyptens, Jordaniens und der Palästinensischen Behörde als Kollaborateure Israels, das diese Gräueltaten gegen ihre palästinensischen Brüder ausführt.
Die Sicherheitsdienste der arabischen Regime registrieren eine gefährliche Unruhe in der Bevölkerung. Hosni Mubarak, der aufgrund der von ihm zu verantwortenden Schließung des Rafah-Grenzüberganges angesichts panischer Flüchtlinge verant-wortlich ist, der exponierteste aller arabischen Führer, begann Druck auf die Entscheidungsträger in Washington auszuüben, die bis jetzt alle Aufrufe für eine Feuer-pause blockiert hatten. Diese verstanden langsam die Gefahr für die amerikanischen Interessen in der arabischen Welt und veränderten auf einmal ihre Haltung, was unter den selbstzufriedenen israelischen Diplomaten Bestürzung hervorrief.
Leute mit "moralischem Irrsinn" können die Motive normaler Menschen nicht verste-hen und müssen ihre Reaktionen erraten. "Wie viele Divisionen hat der Papst?", spottete Stalin. "Wie viele Divisionen haben die Menschen mit Gewissen?", könnte Ehud Barak nun fragen.
Wie sich herausstellt, haben sie einige. Nicht sehr viele. Und sie reagieren auch nicht sehr schnell. Sie sind auch nicht stark und gut organisiert. Aber in einem bestimmten Moment, wenn die Gräueltaten überhand nehmen und die Massen der protestierenden Demonstranten zusammenkommen, kann dies einen Krieg entscheiden.
Ein Verbrechen gegen den Staat Israel
Das Versagen, das Wesen der Hamas zu begreifen, hat auch ein weiteres Versagen verursacht, nämlich die voraussagbaren Folgen zu verstehen: nicht nur dass Israel den Krieg nicht gewinnen kann - die Hamas kann ihn auch gar nicht verlieren.
Selbst wenn es der israelischen Armee gelingen sollte, jeden Hamaskämpfer bis zum letzten Mann zu töten, selbst dann würde die Hamas siegen. Die Hamaskämpfer würden für die arabische Nation als Vorbilder dastehen, als die Helden des palästi-nensischen Volkes, als Vorbilder, denen jeder junge Mann in der arabischen Welt nacheifern sollte. Die Westbank würde wie eine reife Frucht in die Hände der Hamas fallen. Die Fatah würde in einem Meer der Verachtung untergehen, die arabischen Regime wären in Gefahr zusammenzubrechen.
Falls der Krieg mit einer noch aufrecht stehenden, wenn auch blutenden, aber unbezwungenen Hamas endet – angesichts einer so mächtigen Militärmaschine wie der israelischen -, dann würde dies wie ein fantastischer Sieg aussehen, wie ein Sieg des Geistes über das Material.
Was sich in das Bewusstsein der Welt einprägen wird, wird das Image von Israel als blutrünstigem Monster sein, das bereit ist, jeden Augenblick Kriegsverbrechen zu begehen, und nicht bereit ist, sich an moralische Einschränkungen zu halten. Dies wird langfristig gesehen schwerwiegende Konsequenzen für unsere Zukunft, für unsere Position in der Welt haben und für unsere Chancen, Frieden und Ruhe zu erlangen.
Am Ende ist dieser Krieg auch ein Verbrechen gegen uns selbst, ein Verbrechen gegen den Staat Israel.
Freitag, 2. Januar 2009
Which Side Are You On?
Come all of you good workers
Good news to you I'll tell
Of how that good old union
Has come in here to dwell
(Chorus)
Which side are you on?
Which side are you on?
Which side are you on?
Which side are you on?
My daddy was a miner
And I'm a miner's son
And I'll stick with the union
Till every battle's won
They say in Harlan County
There are no neutrals there
You'll either be a union man
Or a thug for J.H. Blair
Oh, workers can you stand it?
Oh, tell me how you can
Will you be a lousy scab
Or will you be a man?
Don't scab for the bosses
Don't listen to their lies
Us poor folks haven't got a chance
Unless we organize
by Florence Reese, 1931
Pete Seeger, 1968
Montag, 29. Dezember 2008
Gaza, Athen
Sonne der Gerechtigkeit
Es ist immer gut, in Zusammenhängen zu denken, also nicht: Gestern nur Athen (riots!), heute nur Gaza (Sharon do it again, ich meine "Sabra und Schatila", oder Intifada!)
Israel ist übrigens kein faschistischer Staat, sondern es ist der demokratischste Staat des Nahen Ostens. Zweifelsohne. Demokratie ist jedoch nichts anderes als eine besondere Herrschaftsform des Kapitals – inklusive Rassismus, Ausschluss von Teilen der Bevölkerung, Religion, Folter und Mord.
Israel kämpft gegen die Hamas, d.h. derzeit insbesondere gegen die Bevölkerung im Ghetto von Gaza. Und die Hamas kämpft gegen den zionistischen Staat, samt seiner Bevölkerung (seinen Untertanen). Allerdings ist Israel in der Lage eine derart große Anzahl von Menschen innerhalb weniger Stunden zu töten, dass einem schon der Atem stocken kann.
Wahrscheinlich müssen die Palästinenser in Gaza der israelischen Armee dafür auch noch dankbar sein, dass sie dort keine sauberen Miniatombomben einsetzt. Gegen die palästinensischen Kassam-Feuerwerkskörper wäre das sicherlich auch angemessen, man müsste nur Angela Merkel um eine entsprechende Stellungnahme bitten.
Große Teile der Bevölkerungen unterstützten tragischerweise die Anstrengungen ihrer Machthaber die jeweils anderen so stark zu schädigen, wie dies für erforderlich gehalten wird und möglich ist. Israel verfügt dazu über die effektivsten Mittel.
Beide Mächte werden so lange miteinander kämpfen, so sieht es wenigstens aus, bis einer von beiden den anderen restlos beseitigt, was aber noch dauern kann. Das von den Menschen dort selbst verursachte und das über sie gekommene Leiden wird sich fortsetzen. Das Kapital, der Staat, die Nation, die Religion herrschen – die Ergebnisse sind schreckenerregend und das nicht nur in Palästina.
Es wäre ein Fehler Israel zu verdammen und seine Feinde zu loben und umgekehrt. Allerdings dürfte Israel hinsichtlich Heuchelei, Selbstgerechtigkeit und aggressivem Zynismus in der globalen Liga für solche Sachen ganz oben angesiedelt sein.
Ananda
Mittwoch, 3. Dezember 2008
Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC)
Mordversuch an Mitgliedern der syndikalistischen Gewerkschaft SAC in Schweden
1999 ermordeten Nazis den Syndikalisten Björn Söderberg. Nun haben sie es wieder versucht. Zwei SyndikalistInnen aus Stockholm – einer von ihnen ein ehemaliges Mitglied des Lokalausschusses Stockholm – und ihre knapp dreijährige Tochter waren gezwungen, von ihrem Balkon im dritten Stock eines Wohnhauses in Sicherheit zu klettern, nachdem Nazis ihre Wohnung angezündet hatten.
Kurz vor neun Uhr abends am Montag, den 1. Dezember, hörten unsere GenossInnen wie eine Flüssigkeit in den Vorraum ihrer Wohnung gegossen wurde: 'Ich sah, wie jemand eine klare Flüssigkeit durch den Briefschlitz in unsere Wohnung gieß. Am Geruch erkannte ich, dass es Benzin war. Ich schrie so laut ich konnte: 'Wir haben ein Kind hier drinnen!' Es war unmöglich, dass sie das nicht hörten. Eine Sekunde später zündeten sie das Benzin an.'
Die Familie hatte ihre Winterkleidung im Vorraum und so breitete sich das Feuer unmittelbar in die Küche und ins Wohnzimmer aus. Es war unmöglich, sich durch die Türe zu retten: 'Es gelang uns, unsere Tochter zu unseren Nachbarn hinunterzureichen, auf den Balkon unter uns. Wenn sie uns entglitten wäre, wäre sie jetzt tot.'
Die Eltern schafften es dann, auf denselben Balkon hinunterzuklettern. Hinter ihnen zerstörte das Feuer ihre Habe, ihre Erinnerungen, ihr Zukunftspläne.
Unsere KollegInnen und ihre Tochter blieben wie durch ein Wunder unverletzt – aber das ändert nichts daran, dass jemand versucht hat, sie gezielt und kaltblütig umzubringen.
Die Polizei geht davon aus, dass die Attacke politisch motiviert war und von denselben Leuten verübt wurde, die zwei Tage zuvor das libertär-sozialistische Kulturzentrum Cyklopen in Högdalen, einem Vorort von Stockholm, abgebrannt hatten. Der Anschlag wurde als Brandstiftung mit Tötungsabsicht klassifiziert.
Unsere angegriffenen KollegInnen waren in ihrer Gewerkschaftsarbeit besonders im Kampf gegen Rassismus und Klassenunterschiede engagiert. Für die Nazis schien dies Grund genug, sie mit dem Tode zu bestrafen.
Ola Brunnström vom SAC-Arbeitsausschuss erklärt: 'Die Leute, die den Aufmarsch in Salem organisieren, sind keine harmlosen Menschen mit etwas anderen Ansichten. Sie sind ideologisch überzeugte Nazis, die offensichtlich im Namen ihrer Sache des Mordes fähig sind.'
Am Samstag werden die Leute, die versuchten, unsere GenossInnen zu töten, den diesjährigen Aufmarsch in Salem veranstalten. Die SAC ruft alle dazu auf, bei der Gegendemonstration teilzunehmen, die um 12 Uhr von dem Netzwerk gegen Rassismus in Salem organisiert wird.
Wenn wir den Nazis nichts entgegenstellen, werden wir nicht wissen, wen sie als nächstes angreifen werden!
SAC-Arbeitskommittee
För en radikaliserad klasskamp!
Leve den internationella solidariteten!
Ananda
Freitag, 5. September 2008
Machtergreifung
Die undgogmatischen Trotzkisten von "Entdinglichung" meinen, dass gegen die von mir sogenannten "amerikanischen Islamisten" der "Verkauf von SPGB-Broschüren keine Abhilfe schaffen" wird. Das hat zwar niemand niemals behauptet, aber das ist egal.
Hauptsache, sie haben die Möglichkeit, über Waffen zu schwadronieren: "Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift."
Kommt einem irgendwie bekannt vor, ist sozusagen klassisch, aber was hat das mit unseren veröffentlichten Analysen zu tun - zum Beispiel zum Staatskapitalismus Russlands und der Sowjetunion - seit 1918, ich meine, in diesem Jahr haben wir damit begonnen? Was hat die „Kritik des Waffen etc.„ eigentlich mit den Trotzkisten zu tun? Nichts.
Als Antwort auf deren Beitrag schrieb ich bei Indymedia folgendes:
Lustig, Entdinglichung. Die Broschüren, Du meinst wohl die Analysen und Texte der SPGB der letzten 100 Jahre, sind allesamt auf unserer Webseite zu finden. Man muss sie nicht kaufen – sie zu lesen und zu verstehen, wäre allerdings ein Beitrag zur Beendigung des Kapitalismus in allen seinen Formen, meine ich. Klar, aus dem Verstehen sollten Handlungen folgen, sonst gab es kein Verstehen. Auch während der Handlungen ist es nicht schlecht zu verstehen, was das Kapital, was der Staat, was die Nation, was der Leninismus, was autoritäre Gruppen sind.
Dann müsste man auch nicht staatskapitalistischen und staatsterroristischen Idolen nachlaufen, wie Trotzki oder Klar, oder man hätte es vermeiden können, in leninistischer Manier (in trotzkistischer, oder: in stalinistischer, oder heutzutage auch: in islamistischer Manier) jeden, aber wirklich auch jeden Despoten, sorry, ich meine jeden „antiimperialistischen Staatsmann“ zu unterstützen. Und so weiter und so fort. Die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.
Wir freuen uns, dass wir mit Bataille Socialiste http://bataillesocialiste.wordpress.com/
einigermaßen auskommen und sie auch unsere Texte veröffentlichen – „Entdinglichung“ können wir auch weiterhin ignorieren (von wegen: hostility clause).
http://www.worldsocialism.org/spgb/june04/closes.html
Ach so: Also, Entdinglichung, die von mir sogenannten „amerikanische Islamisten“ werden nicht mit Hilfe unserer Traktate besiegt – sondern: Wenn die Leninistische Partei (der genaue Name ist irrelevant), die bewusste Minderheit, aber bewaffnet muss sie sein, also wenn vielleicht Leute wie Ihr die Macht ergreifen (Machtergreifung - das hat was, braunrotes) und sie nicht wieder her geben, dann wird Palin & Co. an die Wand gestellt und dann haben wir den Kommunismus.
Noch was: Wir sind keine Pazifisten – aber wir hassen Gewaltfreaks – auch solche die sich im Panzerzug umherfahren lassen und – wie der Herr Trotzki, der gescheiterte Stalin, – Schriften mit dem Titel „Arbeit, Disziplin und Ordnung werden die (…) Republik retten“ verfassen.
Ananda
Amerikanische Islamisten
Die amerikanischen „Islamisten“, die dort als „konservative“, als „evangelikale“, als „zionistische“ und als „wiedergeborene“ „Christen“ firmieren, befinden sich auf dem Vormarsch.
Ein Prachtexemplar dieser Gattung, Sarah Palin, könnte in ein paar Wochen Vizepräsidentin des mächtigsten Staates der Welt werden. Palin meint: Der Krieg im Irak wird im Auftrag Gottes geführt. Palin ist eine rigorose Abtreibungsgegnerin.
Der Kampf gegen die Parteien des Kapitals ist komplex: Islamisten, Christen a la Palin, Rassisten und all der Rest – es verwundert nicht, dass die Linke schon mal den Überblick verliert.
Ananda
Mittwoch, 3. September 2008
Islamverteidigung - ohne uns
Anlässlich des „Anti-Islamisierungs-Kongresses“, der vom 19. bis zum 21. September in Köln stattfinden soll, haben Vertreter der „Kritischen Islamkonferenz“ zum Widerstand „gegen die einheimischen und zugewanderten Rechtskräfte“ aufgerufen. In der von Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime), Ralph Giordano, Hartmut Krauss (Zeitschrift Hintergrund) und Michael Schmidt-Salomon (Giordano Bruno Stiftung) unterzeichneten Erklärung heißt es, den Veranstaltern des „Anti-Islamisierungs-Kongresses“ gehe es nicht darum, „die menschenrechtswidrigen, antidemokratischen und reaktionär-patriarchalischen Grundinhalte und Praktiken des Islam anzuprangern, sondern darum, Einwanderer aus der Türkei, dem Iran und arabischen Ländern pauschal als Bedrohung zu stigmatisieren.“
Diese Anti-Islam-Propaganda diene als Mittel zur „populistischen Ausbeutung begründeter islamkritischer Stimmungen innerhalb der einheimischen Bevölkerung“. Im Verborgenen bleibe dabei die „tiefe weltanschaulich-politische Wesensverwandtschaft zwischen einheimischem Rechtskonservatismus und islamischer Orthodoxie“, die sich etwa in gemeinsamen patriarchalen Werten ausdrücke.
Ähnlich scharf wie mit „Pro Köln“ und ihren Verbündeten rechnen die Vertreter der Kritischen Islamkonferenz jedoch auch mit der Gegenseite der „vermeintlich antirassistischen Islamversteher“ ab. Die Abgesandten Erdogans, Milli Görüs und die Grauen Wölfe würden sich „ins Fäustchen lachen, wenn die deutschen Blockierer einseitig und voller Vehemenz gegen Pro-Köln und Co. demonstrieren“, aber auf Tauchstation gingen, „wenn gegen Islamisten, Ehrenmörder, Zwangsverheirater, Karikaturenschänder, muslimische Mordhetzer und Judenhasser etc. aufzumarschieren wäre“.
Gefordert sei heute eine „dritte Kraft“, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ebenso wehre wie gegen menschenrechtswidrige Formen religiöser Herrschaft. Ziel dieser dritten Kraft sei „eine freie, gerechte und solidarische Gesellschaft, in der Menschenrechtsverletzungen von keiner Seite geduldet und verharmlost werden“.
Am 12. September wollen die Unterzeichner im Rahmen einer „Sonderveranstaltung der Kritischen Islamkonferenz anlässlich des „Anti-Islamisierungs-Kongresses“ ihre Positionen zu Gehör bringen. Als Redner werden Ralph Giordano, Mina Ahadi und der Islamkritiker Hartmut Krauss auftreten.
Weitere Informationen auf der Website www.kritische-islamkonferenz.de
Ananda